… 14,5 Stunden mit dem Auto unterwegs

Wie geplant ging es früh um 4 Uhr pünktlich los. In Lima waren noch alle Straßen frei, das war schön. Die erste Zeit fuhren wir noch auf einer richtigen Autobahn. Das Meer konnte ich leider nur erahnen, denn es war noch dunkel. Später ging es über weit weniger gute Straßen, etliche Berge hinauf und leider auch immer wieder hinunter nur um sofort im Anschluss wieder Berg auf zu fahren. Es war schon etwas krass wenn man so von oben ins tiefe, tiefe Tal schaut und weiß, da muss man jetzt runter bis zum Fluss um sich gleich auf der anderen Seite wieder hoch zu schlängeln.

Das Höhenprofil zeigt dieses Auf und Ab ganz gut. Der höchste Punkte war 4.746 Meter über dem Meeresspiegel. Dort hatten wir eine Temperatur von 3°C. In den Tälern war es dann wieder umso wärmer so bei bis zu 30°C. Gestartet sind wir in Lima auf 0 Meter und der Zielort Talavera liegt fast auf 3.000 Meter Höhe. Insgesamt sind wir 11860 Höhenmeter nach oben gefahren nd 9180 nach unten.


Die Straßen waren zum Teil in einem sehr schlechten Zustand. Schlaglöcher wie wir sie uns in Deutschland gar nicht vorstellen können, haben uns einige zusätzliche Kurven beschert. Ein Teil der Straße ist laut Bine in der letzten Regenzeit so schlecht geworden, dass wir für dieses Stück eine ganze Stunde länger gebraucht haben als noch vor einem halben Jahr. Außerdem gab es immer wieder „Derumbes“ (Erdrutsch und Steinschlag). Durch die vielen Kurven sieht man mögliche Hindernisse oft erst sehr spät und unser routinierter Fahrer César hat mehr als einmal richtig gut reagiert, um nicht durch herumliegende Steine und Erdhaufen zu verunglücken.

Derumbes

Diejenigen, die mich gut kennen, wissen, dass ich Autofahren nicht so gut vertrage. (Mir wird teilweise schon bei den Eichstätter Kurven flau im Bauch.) So habe ich das Experiment gestartet und bin die 14 Stunden fast nüchtern geblieben. Das hat, zusammen mit der Reisetablette, im Großen und Ganzen ganz gut geklappt. Ich habe tatsächlich erst nach 10 Stunden Fahrt eine halbe Packung Popcorn gegessen und eine Stunde vor dem Ziel eine Banane.

Die Landschaft war einfach gigantisch. Würde ich Peru nicht sowieso schon lieben, wäre das nach dieser Fahrt sicherlich der Fall. Wir kamen an vielen Baumwoll-, Mais- und Spargelfeldern auf Meereshöhe vorbei. Später fuhren wir durch atemberaubende Berglandschaften mit Avocado-, Papaya- und Mangobäumen. Auf den Hochebenen gab es Vicuñas, Lamas, Alpakas und Schafe. (Wildpferde haben wir dieses Mal keine gesehen.)

Wir haben leuchtend rote, gelbe, grüne und blaue Erdschichten gesehen. Einmal fuhren wir durch eine ganz gelbe Landschaft, dann kam wieder ein „Rot“, abgelöst von verschiedenen Braun- oder Blautönen. Leider lassen sich die Farben mit meiner Kamera so überhaupt nicht einfangen.

Fast gelbe Erde

Aus dem fahrenden Auto sah ich Menschen bei der Kartoffelernte (natürlich von Hand), Frauen, die ihre Lämmchen füttern, Menschen, die auf der Ladefläche eines Transporters ungesichert mit fuhren, Kinder, die ohne Helm auf dem Motorrad mitgenommen wurden. Ich beobachtete den Sonnenaufgang und -untergang, Quechuas oder Cankas, die am Wegrand selbst gemachten Käse anboten, Wasserfälle, Eisenerz-Mienen, viele Blumen und Einheimische, die auf Pferden oder mit dem Esel unterwegs waren. Wir sahen Frauen und Männer, die einfach vor ihrer Haustür oder auf dem Feld saßen, Kinder die ihre Schweine oder Kühe nach Hause trieben. Ich hatte das Gefühl „anzukommen“ und ertappte mich, wie ich einfach nur grinsend und glücklich die Welt bewunderte. Einiges habe ich fotografisch festhalten können. Darüber hinaus habe viele, viele Eindrücke in meinem Herzen sammeln dürfen. Die lange Autofahrt hat sich gelohnt.

Wasser bringt verschiedenfarbige Mineralien mit aus dem Berg

Bei einem Tankstopp meinte unser peruanischer Fahrer „ya no falta mucho“ = „Es ist jetzt gar nicht mehr weit.“ Die Peruaner schon ein bisschen kennend, fragte ich vorsichtig nach der verbleibenden Zeit. „4 Stunden“ na dann …
Zugegeben war ich wirklich ziemlich fertig nach dieser Reise. Um 18:30 Uhr sind wir wohlbehalten in Casayohana angekommen. Wir wurden liebevoll empfangen und nach einer köstlichen Hühnersuppe bin ich in einem herrlichen Bett sofort eingeschlafen. Am nächsten Tag um 8 Uhr ging mein Dienstplan los. Ich bin Gott von tiefsten Herzen dankbar für diese behütete Reise und dass ich hier sein darf. Ich freue mich sehr auf die Zeit, die mich hier erwartet.

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