Der peruanische Präsident hat die Quarantäne um weitere 2 Wochen verlängert (bis 24. Mai 2020). Das heißt, wir werden mindestens 10 Wochen keine soziale Kontakte haben können, die Kinder dürfen das Haus nicht verlassen, wir dürfen im Gegensatz zu Deutschland auch nicht spazieren gehen oder außerhalb Sport machen. 

Die Zahlen der Neuinfizierten schnellt in Peru in die Höhe. In einigen Regionen sind die Krankenhäuser weit überlastet und Invizierte bekommen keine medizinische Hilfe. Allerdings ist es auffällig, dass in allen höheren Regionen die Zahlen erstaunlich gering bleiben. So haben wir in Curahuasi (2650m über den Meer) keine neuen Fälle und unser Krankenhaus hat derzeit keinen „Coviv-19“ Patienten. Näheres dazu findet man unter diesem Link.

Die Not ist überall auf der Welt gerade groß. So auch hier. Da ich das Haus so gut wie nie verlassen darf, bekomme ich es oft nicht direkt mit. Doch in Gedanken bin ich bei vielen meiner Patienten oder Bekannten aus dem Umkreis. Die Verzweiflung wächst, viele haben seit Anfang der Quarantäne kein Einkommen und die meisten Bewohner haben Schulden, Rücklagen kennt man nicht … die Lage ist erschütternd. Die Regierung schürt viel Angst, die Nachrichten sind voll von Horrornachrichten. Die Coronafälle in Peru steigen rasant, allerdings sind wir in Apurímac mit Abstand das Schlusslicht. Bisher hatten wir erst einen Covid-19 positiven Patienten im Krankenhaus behandelt: Einen LKW-Fahrer aus Lima.
Immer wieder hatte ich das Bedürfnis ganz konkret zu helfen. Doch dies ist durch die strenge Ausgangssperre gar nicht so einfach. Ein paar Mal konnten wir bereits Lebensmittel-Pakete verteilen.
Das erste Mal trafen wir uns zur Übergabe heimlich am Markt. Mein kleiner Patient, der im Krankenhus schon lange bekannt ist, da er stark unterernährt war, freute sich sehr mich zu sehen. Die Mutter ist alleinerziehend und arbeitet immer wieder stundenweise am Markt. Derzeit ist dies jedoch nicht möglich. Überglücklich nahm sie das Paket entgegen. Hoffentlich hat sie eine Fahrmöglichkeit gefunden, denn sie wohnt in einer abgelegenen Gegend. Taxis haben derzeit keine Fahrerlaubnis.

Der Vater eines weiteren Patienten ist Dachdecker und darf derzeit nicht arbeiten. Da die Mutter sich ganztags um das autistische Kind und den kleinen Bruder kümmert, kann sie ebenfalls keinen Beruf ausüben. Auch diese Familie konnten wir ein wenig unterstützen. Unter anderem haben wir ihr eine unserer Enten geschenkt. 

Eine Mama, die ihre Kinder an unserer Schule hat, lebt eigentlich davon, für andere Wäsche (von Hand) zu waschen. Am Nachmittag verkauft sie Milchreis am Markt. Wenn es gut geht, bekommt sie umgerechnet 2,50 Euro am gesamten Nachmittag. Davon muss sie jedoch noch die Zutaten kaufen. Derzeit darf sie keinen Milchreis verkaufen und es bringt ihr niemand Wäsche. Sie freute sich sehr, als ich an der Blechtüre klopfte. Wir reden über die Schwierigkeiten der Schulaufgaben, die Zuhause bewältigt werden müssen und über die besondere Situation im Allgemeinen. Zum Abschluss beten wir gemeinsam. Als ich gehen möchte, muss ich aufpassen, dass ich von der Polizei ungesehen das Haus verlassen kann.

Auch bei Antons Klassekameradin weiß ich von der schweren Situation. Der Vater lebt getrennt und bezahlt keinen Unterhalt mehr. Durch die Notsituation lebt die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern gerade weit oben in den Bergen. Dort können sich die Kinder frei bewegen und es gibt einen Kartoffel- und Maisacker. Ich habe Glück. Genau als ich zu ihr gehe, ist sie zufällig für eine kurze Zeit in Curahuasi. Ich bin genau zum einzig möglichen Zeitpunkt gekommen. Die Mama erzählt von ihrer verzweifelten Lage. Sie berichtet dennoch dankbar, dass sie jeden Tag Kartoffeln mit Salz und Mais essen (nichts anderes). Das Essenspaket kommt genau richtig. Sie lässt es sich nicht nehmen und schenkt mir Kartoffeln. Ich weiß, dass ich dieses Geschenk annehmen muss, auch wenn es mir nicht leicht fällt. Wir trennen uns nach einem gemeinsamen Gebet. Anschließend muss sie zum Gespräch in die Schule (sie wird eine Reduzierung der Monatsgebühr beantragen, welches hoffentlich durch Patenschaften und Notfounds aus Deutschland möglich ist) und ich eile heim zu meinen Kindern.
(Hier geht es zu einem Link zum Thema Patenschaften und Notfounds der Schule Diospi Suyana) 

Heute gehe ich zutief bewegt ins Bett. Die tiefen Begegnungen und Gespräche haben mich reich beschenkt, dafür bin ich sehr dankbar. Der Dank geht natürlich auch an alle unsere Unterstützer, denn nur durch euch war es mir möglich die Essenspakete zu packen und zu überbringen. DANKE!